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#76 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Lumich 07.02.2021 08:46

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Klar, wenn alles links von Erika Steinbach schon links ist, dann ist man als Konservativer natürlich umzingelt, ohne Ausblick auf Hoffnung. Mal ehrlich: Auch Du würdest doch die CDU nicht ernsthaft zum linken Spektrum zählen, auch wenn sie unter Angela Merkel nach links gerückt ist (zumindest die Führungsebene).

Edit: Im übrigen übersiehst Du auch, dass bereits vor Merkel die SPD und die Grünen nach rechts gerückt sind, etwa ebenso weit wie die CDU nach links.

#77 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Johnny Ryall 07.02.2021 09:33

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So ist es.

#78 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Berthold Heisterkamp 07.02.2021 11:11

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Zitat von Lumich im Beitrag #76
Klar, wenn alles links von Erika Steinbach schon links ist, dann ist man als Konservativer natürlich umzingelt, ohne Ausblick auf Hoffnung. Mal ehrlich: Auch Du würdest doch die CDU nicht ernsthaft zum linken Spektrum zählen, auch wenn sie unter Angela Merkel nach links gerückt ist (zumindest die Führungsebene).

Edit: Im übrigen übersiehst Du auch, dass bereits vor Merkel die SPD und die Grünen nach rechts gerückt sind, etwa ebenso weit wie die CDU nach links.

Über das linke Spektrum und linke Vorherrschaft mag ich aus ganz unterschiedlichen Gründen weder mit dir noch mit dem Lfb diskutieren. Aber die GroKo unter Merkel ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass eine langjährige "konservative" Regierung keine Aussage über die Entwicklung eines konservativen Mainstreams treffen kann. Was heute Merkelpolitik ist, wäre im Jahr 2000 in de CDU nicht vermittelbar gewesen, da kann man mE keine große inhaltliche Kontinuität dran festmachen.

#79 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Lumich 07.02.2021 11:31

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Wenn man sich die Geschichte über einen längeren Zeitraum betrachtet, sind die konservativen Kräfte den gesellschaftlich progressiven Strömungen stets hinterhergehinkt. Ob es die Demokratie war, das Wahlrecht der Frauen, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung - alles das hat sich (vielleicht nicht überall vollständig) mit Verzögerung auch irgendwann im konservativen Spektrum zum Konsens entwickelt. Insofern kann man sehr wohl einer Kontinuität sprechen. Was wir z.Zt. erleben ist, dass die Führungsebene der CDU sich schneller als die Basis bewegt, was zu inneren Spannungen führt, von denen wieder andere profitieren, die die Uhr wieder zurückdrehen wollen.

Ausgangspunkt war allerdings der angeblich so linke Mainstream, den ich so nicht erkennen kann, weder in der Parteienlandschaft, noch in den Nachrichtenmedien, wo von der FAZ über Burda bis Springer noch immer eine eher rechts-Konservative Ausrichtung die weit größere Marktmacht inne hat. Und wenn eine Orientierung nach links das dominierende Erfolgsmodell sein soll, dann erklär mir mal bitte jemand die Entwicklung des Magazins der Spiegel. Auch die bereits erwähnten Grünen sind erst so erfolgreich wie jetzt, seit sie sich weniger eindeutig links verordnen lassen.

Auch einzelne Errungenschaften, wie beispielsweise die zunehmende Sensibilisierung der Sprache im Hinblick von möglicher Ausgrenzung, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es die meiste Zeit noch harte Arbeit ist, ein Verständnis oder ein Gefühl für die Belange von Minderheiten und dessen Bedeutung für die Mehrheitsgesellschaft zu etablieren.

#80 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Mory 07.02.2021 11:33

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Zitat von Lumich im Beitrag #79

Auch einzelne Errungenschaften, wie beispielsweise die zunehmende Sensibilisierung der Sprache im Hinblick von möglicher Ausgrenzung, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es die meiste Zeit noch harte Arbeit ist, ein Verständnis oder ein Gefühl für die Belange von Minderheiten und dessen Bedeutung für die Mehrheitsgesellschaft zu etablieren.


Danke schön!

#81 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Sugate 07.02.2021 12:42

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dass das alles weiterhin arbeit bedeutet, bestreitet ja niemand. du hast die antwort mit dem trend der politischen strömungen aber ja schon selbst geliefert.
zum linken mainstream:
ich kann nicht so recht glauben dass man dir wirklich davon erzählen muss, dass es abseits von parteien und einigen beispielen von alten medien mit überholten labels dennoch opinion leaders, popkulturelle softpower gibt ( die als seriös empfundenen örr, die grossen tageszeitungen und wochenmagazine, das bildungswesen, der kulturbetrieb, online culture) welche trotz der auschläge auf beide seiten einen klaren trend in diese von lfb beschriebene richtung aufweisen.
dass dies hässliche konterbewegungen hervorruft ist unbestritten. dass dies aber auch selbstzerstörerische puritanische-auswüchse gebärt ist einfach nur eine neutrale beobachtung.

#82 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Lumich 07.02.2021 12:54

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Dass es einflussreiche Meinungsmedien auf der linken Seite gibt, bestreite ich ja gar nicht. Ich habe aber einige Faktoren (und es gäbe noch mehr) aufgezählt, die gegen eine behauptete Übermacht sprechen, die eine freie Meinungsäußerung verhindern würde.

#83 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von gnathonemus 07.02.2021 13:45

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Zitat von LFB im Beitrag #73

Wenn man die meisten dieser Dogmen aus guten Gründen ablehnt, fällt einem erst auf, wie omnipräsent sie inzwischen sind. Zu den genannten Gründen gehört übrigens nicht der Wunsch, den genannten Gruppen "eine in die Fresse zu hauen", aber diese Formulierung verdeutlicht nochmal schön, die arrogante, lähmende Selbstgerechtigkeit des linken Lagers, das alle abweichenden Meinungen dermaßen verbannt und kriminalisiert hat, dass es sich längst für die neutrale, ideologiefreie Mitte der Gesellschaft hält. Glaube mir, DAS ist ermüdend.


das aus der tastatur eines menschen zu lesen, der zu den privilegierten gehört und anderen, die dieses glück nicht haben, mangelnde begabung, "lebensleistung" oder das falsche glaubensbekenntnis (im klartext faulheit, bösartigkeit oder dummheit oder alles zusammen) zu unterstellen: das ist arrogant. und das gejammer, dass meinungen verbannt oder kriminalisiert werden ist einfach nur quatsch und larmoyant.

#84 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von gnathonemus 09.02.2021 11:00

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#85 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Sugate 09.02.2021 12:13

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der hintergrund dazu ist echt faszinierend:

https://podcasts.apple.com/ch/podcast/th...i=1000507829216

#86 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von gnathonemus 09.02.2021 14:11

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ah, sowas hab ich mir schon gedacht.

#87 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von CobraBora 09.02.2021 14:22

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Allerdings ist der nur einer von drei Fox-Moderatoren, die verklagt wurden, die anderen beiden dürfen weiter senden.
Da scheint also noch was andere dahinter zu stecken.

#88 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Sugate 25.02.2021 18:10

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falls es noch jemanden interessiert (es wird auch heute im leitartikel der zeit nochmal aufgegriffen), es ist wie immer kompliziert:

https://www.google.ch/amp/s/www.nytimes....mcneil.amp.html

#89 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Lumich 12.09.2021 11:40

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Hier eine warme Mediathek-Empfehlung:

Zitat
Bei "Cancel Culture" gehen die Wogen hoch: Für die einen ist sie ein moderner Pranger, genährt von einem moralinsauren Mob, der unliebsame Meinungen tilgen will.

Für die anderen ein rhetorisches Manöver konservativer Kräfte und nicht viel mehr als gerechtfertigte Kritik. Barbara Bleisch und Wolfram Eilenberger diskutieren mit der Soziologin und Genderforscherin Franziska Schutzbach sowie dem Literaturkritiker Ijoma Mangold.
Kulturschaffende oder Professorinnen werden von Veranstaltungen ausgeschlossen, prominente Persönlichkeiten im Netz mit Häme übergossen, Firmen mithilfe orchestrierter Shitstorms zum Einlenken gezwungen: Marginalisierte Gruppen verschaffen sich unter dem Hashtag #CancelCulture Gehör und fordern den Boykott von Personen, die ihrer Ansicht nach andere beleidigt oder diskriminiert haben.

Handelt es sich dabei um Einzelfälle in einer medial hochgekochten Debatte? Oder haben wir es hier mit einer eigentlichen Kultur des "Mundtotmachens" zu tun, die zu einer Verengung des Meinungskorridors führt? Redefreiheit gehört genauso wie Kritikfähigkeit unbestritten zu einer offenen Gesellschaft. Haben wir verlernt, konstruktiv Kritik zu üben - oder müssen wir vielmehr lernen, neue Formen der Kritik anzuerkennen?



Ungewohnt lebhaft für dieses geschätzte Format, und interessant, nicht allein deshalb, weil ich allen TeilnehmerInnen ein Stück weit recht geben kann. In manchen Punkten fand ich mich nahe an dem vergleichsweise konservativen Ijoma Mangold wieder, und in anderen Punkten sah ich mich nahe bei Frau Schutzbach.

#90 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Sugate 17.09.2021 13:20

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ich erinnere mich auch das es ansprechend war, aber auch daran, dass ich Mangold, den ich vorher nur gelesen und teilweise geschätzt hatte, hier als ziemlich unnötig angriffslustigen, uneinsichtigen Teilnehmer empfunden habe.

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