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#46 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Lumich 05.12.2020 10:00

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Zitat von Mory im Beitrag #45
Ein interessantes Stück auf Vice, wie krass "gecancelt" Lisa Eckhart jetzt ist:
https://www.vice.com/amp/de/article/7k9k...impression=true

(Und nein, ich finde nicht, dass die Bitte an das ZDF, Eckhart nicht auch noch ausgerechnet beim Literarischen Quartett auftreten zu lassen, "cancelling" wäre. Vielmehr wird darum gebeten, einer Person mit antisemitischen Ressentiments UND mangelnder Qualifikation nicht noch eine weitere Bühne zur Verfügung zu stellen. Ihrem Kerngeschäft soll Eckhart halt nachgehen, wenn sie nach wie vor ein Publikum hat. Aber warum sie jetzt gefühlt zu allem ihre wenig lustigen Witzchen machen soll, erschließt sich mir nicht. Womöglich bedeutet Cancel Culture eher, dass streitbare Künstler im Anschluss noch viel bekannter und gefragter sind ...)


Du liebe Güte… bis eben habe ich Lisa Eckhart, bei aller Geringschätzung, noch immer vom Vorwurf des Antisemitismus verteidigt, weil die Pointen, die ich bisher von ihr gehört hatte saudoof und unwitzig waren, aber nicht antisemitisch, selbst wenn sie sich über Juden oder das Judentum lustig gemacht hat. Was ich hier aber lese, lässt kaum noch Raum für Zweifel.

#47 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von King Bronkowitz 05.12.2020 10:02

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Zitat von Mory im Beitrag #45
Womöglich bedeutet Cancel Culture eher, dass streitbare Künstler im Anschluss noch viel bekannter und gefragter sind ...


So sieht es aus, und ich halte dieses Phänomen für nachvollziehbar. Ich halte das Ignorieren für sinnvoller, als solche Leute in eine Position zu bringen, in der sie sich - wenn sie intelligent sind - eine wunderbare Opferrolle basteln können.
Vor dreißig Jahren hätte es mit Sicherheit so ausgesehen, daß sie irgendwohin eingeladen worden wäre (vielleicht nicht unbedingt zu RR), ohne schon im vornherein größeren Bekanntheitsgrad erlangt zu haben; irgendjemand hätte dann recherchiert, wäre auf den Sulch gestoßen, den sie verbreitet, und sie wäre medial auseinandergebaut worden.
Heutzutage findet das Urteil zeitnah statt, und es sind viel mehr Leute in den Prozeß eingebunden; je größer der Shitstorm auf einer Seite, desto verbissener die Verteidigungshaltung auf der anderen.
Daß das ZDF sich da instrumentalisieren läßt und sich wer weiß wie "kontrovers" vorkommt, ist höchst bedenklich. Hätten die auch Céline eingeladen, würde er heute noch leben?

#48 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von King Bronkowitz 05.12.2020 10:03

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Zitat von Lumich im Beitrag #46
Was ich hier aber lese, lässt kaum noch Raum für Zweifel.



Komplett witzbefreiter Dreck.

#49 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Lumich 05.12.2020 11:22

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Zitat von Lumich im Beitrag #46
Was ich hier aber lese, lässt kaum noch Raum für Zweifel.


Mit etwas zeitlichem Abstand möchte ich das „kaum“ im Satz hervorheben. Ich kenne mich, mangels Interesse, nicht sehr gut aus mit Lisa Eckhart und ihrem Programm, deshalb kenne ich den Kontext nicht. Soweit ich es beurteilen kann, pflegt Frau Eckhart einen Bühnencharakter, und ein Bühnencharakter kann natürlich Dinge sagen, die die Person dahinter nicht meint. Wenn Gerhard Polt bspw. in seine Rollen schlüpft, gibt es keinen Zweifel, dass er bestimmte Haltungen, die er in seiner Umgebung beobachtet persifliert, sie aber nicht teilt. Bei Lisa Eckhart bin ich mir nicht sicher, worauf sie hinaus will, oder ob sie überhaupt auf etwas hinaus will. Ein Bühnencharakter sollte meiner Meinung nach nichts sein, wohinter ein/e Künstler/in sich versteckt, um hinterher sagen zu können: „Das ist Satire, das muss erlaubt sein.“ Erlaubt ist es ohnehin, davon mal abgesehen.

#50 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Olsen 05.12.2020 11:45

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Zitat von Lumich im Beitrag #49
Ein Bühnencharakter sollte meiner Meinung nach nichts sein, wohinter ein/e Künstler/in sich versteckt, um hinterher sagen zu können: „Das ist Satire, das muss erlaubt sein.“


Erzähl das mal Serdar Somuncu. Da führe ich seit Jahren erbitterte Diskussionen in meinem Umfeld.

#51 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Mory 05.12.2020 11:48

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Lumich hat recht damit, dass sich ein Künstler nicht mit der Bühnenfigur herausreden sollte. Wobei ich betonen will, dass ich sehr eindeutig für eine Trennung von Künstler und Werk bin! Wenn eine Figur in einem Buch ein Arschloch ist, selbst der Erzähler des Buches, übertrage ich nicht auf den Autor. Genauso darf ein Bühnenkünstler eine Bühnenfigur entwickeln, die ein Arschloch ist und dumme Sachen sagt.

Allerdings hat das ZDF nicht die Kabarettistin (und wegen mir Gemanistin) Lisa Lasselsberger eingeladen, sondern eben deren Kunstfigur Lisa Eckhart. Und das darf man kritisieren, denn Lisa Eckhart macht nun mal am laufenden Band antisemitische Scheiß-Witzchen.

#52 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von beth 05.12.2020 11:50

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Ich hab halt auch null Ahnung, wo und wie sich Lasselsberger von ihrem "Bühnencharakter" unterscheidet. Ich seh da nichts. Für mich sind die ident.

#53 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Lumich 05.12.2020 11:56

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Zitat von Olsen im Beitrag #50
Zitat von Lumich im Beitrag #49
Ein Bühnencharakter sollte meiner Meinung nach nichts sein, wohinter ein/e Künstler/in sich versteckt, um hinterher sagen zu können: „Das ist Satire, das muss erlaubt sein.“


Erzähl das mal Serdar Somuncu. Da führe ich seit Jahren erbitterte Diskussionen in meinem Umfeld.


Da bin ich bei Dir.

Zitat von Mory im Beitrag #51
Lumich hat recht damit, dass sich ein Künstler nicht mit der Bühnenfigur herausreden sollte. Wobei ich betonen will, dass ich sehr eindeutig für eine Trennung von Künstler und Werk bin! Wenn eine Figur in einem Buch ein Arschloch ist, selbst der Erzähler des Buches, übertrage ich nicht auf den Autor. Genauso darf ein Bühnenkünstler eine Bühnenfigur entwickeln, die ein Arschloch ist und dumme Sachen sagt.

Allerdings hat das ZDF nicht die Kabarettistin (und wegen mir Gemanistin) Lisa Lasselsberger eingeladen, sondern eben deren Kunstfigur Lisa Eckhart. Und das darf man kritisieren, denn Lisa Eckhart macht nun mal am laufenden Band antisemitische Scheiß-Witzchen.


Grundsätzlich finde ich einladen besser als einladen und dann wieder ausladen. Grundsätzlich finde ich auch legitim, wenn man die Witze von Frau Eckhart anders auffasst als ich. Ich würde sie nur nicht vor Kritik schützen wollen. Sie scheint sich in dieser Rolle der angegriffenen auch zu gefallen. Es sieht für mich wie Selbstzweck aus, aber wie gesagt - ich kenne sie und ihr Programm nicht gut genug.

#54 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Johnny Ryall 05.12.2020 12:30

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Zitat von Olsen im Beitrag #50
Zitat von Lumich im Beitrag #49
Ein Bühnencharakter sollte meiner Meinung nach nichts sein, wohinter ein/e Künstler/in sich versteckt, um hinterher sagen zu können: „Das ist Satire, das muss erlaubt sein.“


Erzähl das mal Serdar Somuncu. Da führe ich seit Jahren erbitterte Diskussionen in meinem Umfeld.

Ist Serdar Somuncu jetzt eher Gerhard Polt oder eher Lisa Eckhart?

#55 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Olsen 05.12.2020 12:33

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Schwer zu sagen, bei ihm verschwinden die Grenzen sogar in Interviews.

#56 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von faxefaxe 05.12.2020 12:38

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Ich finde ihre Judenwitze furchtbar, weil ich ihr den Polt nicht abkaufe, bzw weil sie damit kokettiert, dass sie die Situation nicht auflöst.

Aber ich fand sowohl Omama ganz interessiert, als auch ihren Beitrag im Literarischen Quartett, fand die Runde insgesamt ganz ok.
(habe es erst dreimal im neuen Format gesehen, und war die ersten beiden Male nicht sehr angetan)

#57 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Lumich 05.12.2020 12:41

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Ich glaube Serdar Somuncu ist in erster Linie ein Hitzkopf, der schneller schimpft als er denken kann. Einige Pointen von ihm finde ich ja durchaus gelungen, aber seine Distanz zu Misogynie und Homophobie kaufe ich ihm nicht ganz ab. Dafür setzt er diese einfach zu häufig ein, um andere damit zu beschimpfen. Ich vermute irgendwie, dass er da mal mit sich selbst ins Reine kommen muss.

#58 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von Olsen 05.12.2020 12:44

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Sehe ich ähnlich. Er hat sich auch zu sehr in seine Hassprediger-Figur damals reingesteigert. Davor konnte man das gut trennen. Ich habe selbst die Hitler- und Goebbels-Lesungen besucht und hatte nie Probleme, zu verstehen, wie er persönlich zu etwas steht.

#59 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von G. Freeman 05.12.2020 13:53

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Ich mochte ihn "früher" wirklich sehr gerne, gerade auch, weil er gute Interviews führt (selber geben artet zu oft in Selbstverliebtem aus, kann ich aber verzeihen) aber den Scheiß, den er in diesem Jahr im gelöschten Podcast abgeladen hat, finde ich so unerträglich, dass sich die Meinung mittlerweile ziemlich gedreht hat. Schade drum, aber selbst Schuld. Eckhart brauchen auch nur die Falschen.

#60 RE: Cancel Culture: Was es ist und was es nicht ist. von King Bronkowitz 05.12.2020 21:48

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Mir ist Somuncu einfach in allem zu plump, deswegen finde ich ihn auch so grandios unkomisch.

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