Ein Team aus jungen Mediziner*innen drehen eine Dokumentation über die Alzheimer-Patientin Deborah Logan. Aber der Alltag der alten Dame und ihrer Tochter wird immer verstörender und irgendwann müssen alle Beteiligten feststellen, dass medizinische Hilfe vermutlich nicht das ist, was Deborah braucht. Ein Found-Footage-Film der Extraklasse, finde ich; hervorragend gespielt nimmt er langsam Fahrt auf, dann aber richtig. Die Effekte sind gut eingesetzt und die Geschichte fesselnd. Ich mochte diesen wirklich unheimlichen Film sehr gern.
Wake up, Dead Man (2025)
Der dritte Teil um Detektiv Benoit Blanc ist immer noch gut, auch die sehr viel düsterere Atmosphäre hat mir gefallen, aber wie so oft könnte der Film auch eine halbe Stunde kürzer noch überzeugen - mehr vermutlich, denn die Längen sind doch sehr störend.
You all want the whole world to be changed so you will be different.
Der Scharfschütze Matthew Quigley aus Wyoming wird von einem australischen Rancher für einen sehr hohen Preis angeheuert. Als Quigley in Down Under ankommt, ist nicht alles so, wie es scheint ...
"Quigley Down Under" ist eine Hommage an den Western der alten Schule, mit sympathischen Schauspielern und einer humanistischen Botschaft ... schade, dass nicht etwas mehr Energie darauf verwendet wurde, ihn noch etwas origineller und spannender zu gestalten. So sehen wir zwar einen zuverlässigen, aber keinesfalls spektakulären Western, der letztendlich zu kommerziell auf ein familientaugliches Happy End hin konzipiert wurde.
Der Versuch, Tom Selleck mit "Quigley Down Under" als Movie-Star im Kinobereich zu etablieren, ist im Wesentlichen gescheitert ... der gewünschte Karrieresprung blieb aus. Über die Jahre hat der Film einen gewissen Kultstatus unter Westernfans entwickelt und wird heute häufig wohlwollender gesehen als beim Start.
"God created all men. They say Sam Colt made them equal ... more or less." (Matthew Quigley)
Ich finde den gut. Außerdem spielt Alan Rickman mit, immer ein großes Plus.
Tron: Ares Ungefähr so egal wie erwartet, vielleicht sogar noch egaler. Die Bilder sind schick, aber leblos, die Handlung hab ich schon wieder vergessen, während ich das hier schreibe. Der Score von Nine Inch Nails ballert aufdringlich durch die Gegend und verdeutlicht noch mal, wie gut der von Daft Punk im zweiten Teil funktioniert hat. Ein Bonus-Punkt für den Recognizer in New York (oder welche Stadt auch immer das sein sollte). 6/10
Der Tiger Ah, mal wieder ein interessanterer Film aus Deutschland, der etwas mehr bietet, als man auf den ersten Blick erwartet. Das Ende kann man sich zwar schon früh zusammenreimen und das Drehbuch hat so seine Problemchen (vor allem zu viele Erklärungen in den Dialogen), aber es muss trotzdem begrüßt werden, dass Amazon mal etwas versucht, das nicht schon fünfzig Mal erzählt wurde. 7/10
Luca (USA 2021, R: Enrico Casarosa, S: Francisco Palma Galisch, Oskar Hansch, Marie Düe, Giovanni Zarrella) Das war ein schöner Film! Luca ist ein Unterwasserlebewesen und wird von den Menschen als Ungeheuer angesehen. Andersherum halten die Meeresbewohner die Menschen, die sie jagen, für Ungeheuer. Eher zufällig findet Luca heraus, dass er eine Art Zwitter ist: An Land nimmt er menschliche Gestalt an, nur in Kontakt mit Wasser bekommt er Schuppen und Flossen. In dem Rivieara-Städchen Portorosso freuden sich Luca und sein Kumpel Alberto mit Giulia an und nehmen an einem besonderen Triathlon (Schwimmen, Radfahren und Nudel-Wettessen) teil. Es besteht immer die Gefahr, dass sie entdeckt werden. Nicht nur die Stimmung in dem italienischen Dorf wird schön eingefangen, auch die Freundschaft rührt zu Herzen. Das ist natürlich oft übertrieben nett, aber ich war in der richtigen Stimmung und fand diesen Pixar-Animationsfilm herzallerliebst. 8/10
Die letzten Sechs in der Playlist: Snocaps - Snocaps || The Last Dinner Party - From the Pyre || Stella Donnelly - Love and Fortune || Anna von Hausswolff - Iconoclasts || Tony Molina - On This Day || The Mary Onettes - Sworn
Pahanhautoja (Hatching) Ein sehr interessanter, sehr bizarrer Film mit einer großen Portion Symbolismus im Kern. Bin nicht sicher, ob ich den richtig verstanden habe, denn Symbolismus und ich ... naja, Sie wissen schon. (Daher auch die Probleme mit den Bilderrätseln hier, könnte ich mir vorstellen.) "The Fly" meets "Pleasantville" meets Coming-of-age meets Influencer-Zeitalter, alles nicht hundertprozentig ausgereift, aber dennoch überzeugend. Die junge Siiri Solalinna in der Hauptrolle macht das sehr gut. Man könnte eine längere Zeit darüber diskutieren, wovon der Film nun wirklich handelt, es sind eine Menge Themen drin. (Randnotiz: Gibt es diese höllische Wohnsiedlung wirklich irgendwo in Finnland?) 8/10
Man muss wohl gleich mit der Einordnung im Katalog beginnen: Die Unruhe lässt mich den am nähesten zu Inherent Vice rücken, der bei mir im Ranking mit der Zeit immer höher klettert. One Battle After Another platziere ich für mich in der unteren Hälfte, einfach weil ich finde das Anderson offensichtlich am generischsten wird, wenn er Action macht. Mit fehlen hier die ganz memorablen Dialoge und Szenen, aber natürlich immer noch bestes Kino. Wenige Tage nach dem ICE-Mord haben diese Polizeistaat-Bilder wirklich eine beklemmende Aktualität, und trotz der Nachrichtenflut auch noch eine ganz andere Power. Das Medium Film wäre relevanter denn je.
Kill Me Today, Tomorrow I'm Sick! (D 2018, R: Joachim Schroeder, Tobias Streck, D: Karin Hanczewski, Carlo Ljubek, Sigi Zimmerschied, Tommy Sowards, Joachim Steinhöfel, Henryk M. Broder) Wenn diese Geschichte nicht auf angeblich Tatsachen beruhen würde, man würde es für übertrieben halten. Aber die Schwestern von Regisseur Joachim Schroeder hat - laut Wikipedia - selbst bei der OSZE gearbeitet und berichtet von ihrem Einsatz Ende der 90er-Jahre im Kosovo. Dort trifft sie auf eine Figur aus dem Klischeekatalog nach dem anderen. Nach 20 Minuten wollte ich wegen dieser ganzen Stereotypen schon ausmachen, bin dann aber doch drangeblieben, denn es wurde tatsächlich ein wenig dramatisch, blieb aber auch vorhersehbar. 6/10 Perfect Days (J/D 2023, R: Wim Wenders, D: Koji Yakusho, Tokio Emoto, Arisa Nakano, Aoi Yamada, Yumo Aso, Sayuri Ishikawa, Tomokazu Miura, Min Tanaka) "Wenn sich nie etwas ändern würde, wäre das nicht absurd?" Es dauert ein wenig, bis Hirayama zu dieser Erkenntnis kommt. Denn sein Leben läuft nach Routinen ab, die ihm Sicherheit und offenkundig auch Zufriedenheit bereiten. Doch nach und nach passiert das Leben - und seine Routinen kann Hirayama kaum noch einhalten. Wim Wenders sollte eine Dokumentation über die neun öffentlichen Toiletten drehen, die für die Olympischen Spiele errichtet wurden, die dann wegen der Pandemie um ein Jahr verschoben wurden. Doch Wenders entwickelte einen Spielfilm um den Toilettenmann Hirayama, nicht ohne die Toiletten ausgiebig zu zeigen. Man braucht Geduld in diesem fast zweistündigen Spielfilm, in dem man als Zuschauer lange den sich wiederholenden Routinen des größtenteils schweigenden Hirayama beiwohnt. Belohnt wird man mit einem tollen Soundtrack aus den 60er- und 70er-Jahren. Und der titelgebende Lou-Reed-Song ist selbstverständlich auch mit dabei. 8/10
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Nightbitch Wie viel bleibt von deiner alten Persönlichkeit übrig, wenn du Mutter wirst? Veränderst du dich in etwas völlig Neues? Dafür findet dieser Film eine interessante Metapher. Amy Adams spielt wie immer super und Scoot McNairy im Cast zu haben, schadet auch nie. Den Schluss finde ich eine Spur zu versöhnlich, aber das ist mein einziger Kritikpunkt. 8/10
Das schönste Paar (D/F 2018, R: Sven Taddicken, D: Maximilian Brückner, Luise Heyer) Malte und Liv vergnügen sich in einer Bucht am Strand von Mallorca. Dabei werden sie von drei jungen Männern beobachtet, die dem Lehrerpaar in die Ferienwohnung folgen, Malte niederschlagen und einer der Jungs vergewaltigt Liv. Zwei Jahre später verarbeitet das Ehepaar immer noch das Trauma. Malte boxt, Liv geht zur Therapie. Da läuft Malte der Vergewaltiger über den Weg. Was soll er tun? Das ist die Ausgangslage dieses harten Dramas. Bei den Opfern, die die Verarbeitung der Ereignisse beinahe abgeschlossen haben, bricht die Vergangenheit wieder durch. Brückner und die wie immer überragende Heyer spielen ebenso gut wie der junge Leonard Kunz als Vergewaltiger. Ein Film, der wehtut, aber auch sehr gut ist. 8/10
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